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FAREKOS

Fachrechtskontroll- und Dokumentationssystem

Ausgangssituation

Im Rahmen der Digitalisierung von Verwaltungsprozessen wird für die Bereiche Pflanzengesundheit (PG) und Pflanzenschutzmittel (PSM) eine internetbasierte, bundeseinheitliche Fachanwendung geschaffen, um die zuständigen Behörden in den Bundesländern bei der Planung und Durchführung ihrer Kontrollaufgaben zu unterstützen. Perspektivisch gilt es, digitale Lösungen zu schaffen, die leicht durch Behörden „per Knopfdruck“ einsetzbar und flexibel weiterzuentwickeln sind. Sie sollen sich sowohl behördenintern als auch behördenübergreifend einfach administrieren lassen. Die verschiedenen Verwaltungsleistungen sollen aus der Perspektive der Verwaltungskunden aus der Privatwirtschaft und Mitarbeitenden der Behörden bedarfsgerecht angeboten werden.

Hintergrund

Alle Unternehmen im landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Bereich sowie im Handel unterliegen verschiedenen regelmäßigen Fachrechtskontrollen, die von den Mitarbeitenden der jeweils zuständigen Behörden der Pflanzengesundheits- bzw. Pflanzenschutzdienste der Bundesländer durchgeführt werden.

Auf der Grundlage der EU Verordnungen ((EU) 2016/2031 und (EU) 2017/625) dienen die Fachrechtskontrollen dem vorbeugenden Verbraucherschutz und dem Schutz des Naturhaushaltes.

Um diese Aufgaben gemeinsam erfüllen und durch einheitliche digitale Systeme unterstützen zu können, haben alle Bundesländer eine Verwaltungsvereinbarung geschlossen. Gegenstand der Vereinbarung ist die „Koordinierung, Organisation und Finanzierung der Entwicklung, des Betriebs und der Pflege einer bundeseinheitlichen IT-Lösung zur Umsetzung der Überwachungs- und Kontrollaufgaben in den Bereichen Pflanzengesundheit (PG) und Pflanzenschutzmittel (PSM)“ Akronym: FAREKOS.

Mit der Projektleitung und der Koordinierung aller Maßnahmen zur Umsetzung dieser Verwaltungsvereinbarung ist die ZEPP als gemeinsame Einrichtung der Bundesländer beauftragt.

Zielgruppe

Anwender von FAREKOS werden vor allem die zuständigen Behörden in den Bundesländern sein, die regelmäßig oder anlassbezogen Kontrollen bei den im Register gespeicherten Unternehmen durchführen und dokumentieren. Zum anderen werden das aber auch Unternehmen in landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Bereichen und im Handel sein, die sich je nach Tätigkeitsbereich selbständig im FAREKOS registrieren bzw. anzeigen müssen. Im Bereich PG können ermächtigte Unternehmen auch selbstständig Kontrollergebnisse in ihren Pflanzenbeständen erfassen.

Ziel

Entwicklung der internetbasierten, bundeseinheitlichen Anwendung FAREKOS für die Durchführung von Kontrollen in den Bereichen PG und PSM für Unternehmen im landwirtschafltichen und gartenbaulichen Bereich und im Handel, um die notwendigen Registrierungen beziehungsweise das Anzeigen ihrer Tätigkeiten durchführen zu können.

Im FAREKOS wird ein zentrales Register erstellt, das Unternehmen im Bereich PG  erfasst, für die eine Registrierungspflicht besteht. Im Bereich PSM werden Betriebe bzw. Unternehmen erfasst, die Pflanzenschutzmittel anwenden, beratend tätig sind oder Pflanzenschutzmittel in Verkehr bringen.

Die Anwendung wird unter anderem folgende Funktionen anbieten:

  • Erstellung von bundesweit einheitlichen Registrierungs- bzw. Anzeigeformularen
  • Erstellung von bundesweit einheitlichen Kontrollformularen
  • Erstellung von Kontrollprotokollen basierend auf den ausgefüllten Kontrollformularen
  • Rollen- und Rechtekonzept zur verteilten Verwaltung der Daten durch die Nutzer
  • Versendung von (automatisierten) Standardmeldungen (z. B. Dateneingang, Kontrollabschluss ohne Beanstandung) per E-Mail
  • Gebührenerfassung, Gebührenstammdatenverwaltung und Gebührenexport
  • Automatisierte Risikoanalyse der Unternehmen im Register zur gezielteren Planung und Durchführung von Kontrollen
  • Automatische Erstellung von Auswertungen und Statistiken für die Berichterstattung an Behörden auf Bundes- und EU-Ebene
  • Erfüllung von Anforderungen, die im Rahmen des Gesetzes zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen (OZG) gestellt werden.
Durchführung

Die Erstellung von FAREKOS als bundeseinheitliche, internetbasierte Anwendung findet in mehreren Teilschritten statt. Seit 2022 arbeiten mehrere Arbeitsgruppen in den Bereichen PG und PSM an Anforderungen und Konzepten für die Fachanwendung zusammen.

Auf Grundlage dieser Konzepte wurde 2025 die Umsetzung der cloudbasierten Internetanwendung europaweit ausgeschrieben. Die eingegangenen Angebote wurden anhand einer vorgegebenen Bewertungsmatrix, die Teil der Ausschreibung war, auf formale Korrektheit sowie das vorgeschlagene Umsetzungskonzept auf Validität geprüft. Auf dieser Basis wurde das Preis-Leistungs-Verhältnis ausgewertet. Der Zuschlag ging an die Firma Blubito (blubito.de), die Ende August 2025 mit den Arbeiten begonnen hat.

Technische Realisierung

Nach Prüfung aller Anforderungen für den Einsatz von FAREKOS im Innendienst und im Außendienst bei Vor-Ort-Kontrollen in den Unternehmen wurde entschieden, die Anwendung als PWA (Progressive Web-App) zu realisieren. Das ist eine Webanwendung, die sowohl auf dem Desktop im Browser als auch mobil wie eine native App auf dem Tablet (und mit Einschränkungen auf dem Smartphone) funktioniert. Unabhängig vom jeweiligen Betriebssystem (Windows, iOS, Android, etc.) funktioniert sie in allen gängigen Browsern (Edge, Chrome, Safari, Firefox, etc.). Auf mobilen Geräten erlaubt sie auch Funktionen, wie z.B. Offline-Zugriff und Push-Benachrichtigungen. Sie kombiniert das Beste aus Webseiten durch einfachen URL-Zugriff und nativen Apps durch Installierbarkeit und Geräteintegration.

Aktueller Stand und geplante Maßnahmen

Ab Juli 2026 wird je ein MVP (Minimum Viable Product = minimal brauchbares Produkt) für PSM bzw. PG bereitgestellt. Ziel ist es, die Kernfunktionalitäten zu realisieren, um eine erste End-to-End-Nutzung produktiv und im Realbetrieb zu ermöglichen. Mit den MVPs soll die Praktikabilität der FAREKOS Anwendung getestet und demonstriert werden.

Merkmale des MVP
  • Ein MVP ist eine funktionierende, aber bewusst reduzierte Produktversion, die die reale Nutzung darstellt, um belastbares, fachliches und technisches Feedback zu generieren. Es handelt sich also ausdrücklich nicht um eine Demoversion sondern es wird mit „echten Daten“ und Leistungsmerkmalen gearbeitet.
  • Es soll Risiken früh sichtbar machen und Prioritäten für die Weiterentwicklung datenbasiert setzen.
  • Ein MVP ist kein Pilotprodukt im Sinne einer Vorab-Finallösung, sondern ein Lern- und Validierungsinstrument.
  • Die MVP-Phase markiert zugleich den Einstieg in einen iterativen Weiterentwicklungsprozess.
  • Erkenntnisse aus Nutzung und Feedback fließen strukturiert in nachfolgende Entwicklungszyklen ein.
  • Damit entsteht ein erstes, bewusst schlankes Release-Management, das Feedback sammelt und priorisiert und Umsetzungen in Releases plant.
  • Änderungen werden transparent kommuniziert und die Weiterentwicklung nachvollziehbar dokumentiert.

Die MVP Phase ist somit nicht nur ein Test, sondern der Beginn eines kontinuierlichen Lern- und Entwicklungsprozesses. Es ist eine kontrollierte Lern- und Konsolidierungsphase – keine finale Produktivsetzung. Es bietet die Chance auf einen Einstieg in die Nutzung und die Möglichkeit zur Mitgestaltung von FAREKOS 1.0, das Mitte 2027 abgeschlossen sein wird.